NTN

ATK Newmark Lite: Test der neuen Bindung

Sep 16, 2026

Die Newmark Lite: Die Telemarkbindung mit Potenzial
Vor einigen Jahren betrat die renommierte italienische Tourenbindungsmarke ATK mit der Newmark den Telemarkmarkt. Die Idee war originell: eine besonders leichte Bindung mit Low-Tech-Frontschnittstelle für den Aufstieg.

Auf dem Papier klang das Konzept vielversprechend. In der Praxis erwies sich die Montage des Abfahrtssystems jedoch als komplex, und das Fahrgefühl entsprach nicht ganz den Erwartungen der Telemarkfahrer.

Doch die Idee wurde nicht verworfen. ATK präsentiert nun eine verbesserte Version: die Newmark Lite. Diese neue Generation bewahrt den Geist des ursprünglichen Konzepts und führt gleichzeitig Verbesserungen ein, die in der Telemarkwelt für Furore sorgen dürften.

Wir hatten die Gelegenheit, sie am Ende der Saison zu testen. Hier sind unsere ersten Eindrücke.

Schon beim Öffnen der Verpackung fällt eines sofort ins Auge: die hochwertige Verarbeitung. ATKs Expertise ist sofort erkennbar, mit besonders sorgfältiger Bearbeitung und wunderschön verarbeiteten Komponenten.

Dieser erste Eindruck vermittelt Vertrauen. Jedes Detail scheint präzise durchdacht, und das Gesamtpaket strahlt die Fertigungsqualität aus, für die die italienische Marke bekannt ist.

Die Newmark Lite basiert auf zwei unterschiedlichen Elementen mit jeweils einer ganz spezifischen Funktion:

- Der Vorderteil nutzt dasselbe Prinzip wie die Low Tech Insert-Bindung. Und genau das hat uns in unseren Tests am meisten beeindruckt: Der Einstieg in die Bindung erwies sich als bemerkenswert präzise, ​​selbst bei unterschiedlichen Schneeverhältnissen und mit verschiedenen Skischuhen (Scarpa/Crispi/Scott). Diese einfache Handhabung ist besonders in den Bergen von Vorteil, wo die Bedingungen nicht immer ideal sind und man nicht mit der Ausrüstung kämpfen möchte.

Dieser präzise Einstieg ist ein echter Pluspunkt für eine Bindung, die für Telemark-Touren konzipiert ist.

Der hintere Teil spielt eine entscheidende Rolle: Er dient als Klemme, um den Schuh sicher zu fixieren und die für die Abfahrt nötige Kontrolle und Präzision zu gewährleisten.
Hier liegt eine der wichtigsten Innovationen der Newmark Lite: Dieser hintere Teil ist abnehmbar.

In der Praxis kann er für den Aufstieg abgenommen werden, sodass nur der Low-Tech-Vorderteil übrig bleibt. Die Gewichtsersparnis ist besonders groß und führt zu einer extrem leichten Bindung für den Aufstieg. Oben angekommen, wird der hintere Teil einfach wieder angebracht, um das gesamte System zu reaktivieren und die Bindung im Abfahrtsmodus zu nutzen.

Die beiden Bindungsteile sind durch eine Achse verbunden und lassen sich leicht einstellen. Der Wechsel zwischen Aufstiegs- und Abfahrtskonfiguration ist daher relativ intuitiv. Anfangs waren wir etwas skeptisch, was die Stabilität dieser Achse anging. Ein bewegliches Teil, das den Belastungen beim Telemark-Skifahren und den Anforderungen der Berge ausgesetzt ist, verdient besondere Aufmerksamkeit. Nach zahlreichen Einsätzen am Ende der Saison erfüllte die Achse unsere Erwartungen und zeigte in unseren Tests keinerlei Anzeichen von Verschleiß. Nun bleibt abzuwarten, wie sich das System im Laufe der Zeit bewährt. Wir werden dies weiterhin genau beobachten, da die Haltbarkeit ein entscheidender Faktor für die Gesamtbewertung dieser Bindung sein wird.

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal der Newmark Lite ist, dass es keine Größenunterschiede zwischen „Small“ und „Large“ gibt. Die Bindung lässt sich an alle Schuhgrößen anpassen. Die Einstellung der Bindung ist relativ einfach und erfolgt von innen mit dem passenden Werkzeug (TORX-Schraubendreher). Dies ist ein großer Vorteil für Skifahrer, die ihre Ausrüstung ohne komplizierte Handgriffe anpassen möchten.

Die Newmark Lite verfügt nur über eine Steighilfehöhe. Obwohl manche Skifahrer mehrere Einstellmöglichkeiten schätzen, empfanden wir diese Höhe bei unseren Touren als mehr als ausreichend. Die Steighilfe wirkte robust und ließ sich leicht aktivieren. Ein einfaches System, das seinen Zweck effektiv erfüllt, ohne unnötig kompliziert zu sein.

Mit ihren sechs Befestigungspunkten bietet die Newmark Lite eine stabile Bindung auf ausreichend robusten Skiern. Wir schätzten diese Konstruktion, die eine sichere Nutzung auf schweren Skiern ermöglicht. Unser Test verdeutlichte jedoch auch ein bekanntes Problem beim Telemark-Skifahren: die Kompatibilität zwischen leichten Skiern, steifen Schuhen und Bindungen, die hohe Belastungen übertragen.

Während unseres Tests rissen wir leider einen leichten Ski (ca. 1,3 kg) ab. Dieser Vorfall führt uns zurück zu einer immer wiederkehrenden Frage in der Entwicklung von Telemark-Ausrüstung: Wie lassen sich Ski leichter gestalten, ohne ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Belastungen moderner Skischuhe und Bindungen zu beeinträchtigen? Insbesondere die neuen Scarpa-Skischuhe bieten eine interessante Steifigkeit (vor allem in der Schale) und Kontrolle, können aber auch die auf den Ski übertragenen Belastungen erhöhen. Bei einer Bindung, die am Ende ihres Federwegs viel Druck ausübt, muss das gesamte System sorgfältig dimensioniert sein.

Dieses Thema ist uns gut bekannt, insbesondere durch die TKS AREA Ausziehplatten von TKS, die für bestimmte Telemark-Bindungen (Meidjo und 22 Designs) entwickelt wurden.

Die Newmark Lite verwendet jedoch ein eigenes Bohrmuster, das sich von dem der Meidjo/Simpll- und 22 Designs-Bindungen unterscheidet. Daher sind die aktuellen TKS AREA-Platten nicht direkt kompatibel. Eine speziell für ATK-Bindungen entwickelte Platte könnte ein interessanter Ansatz sein, sollte sich Bedarf ergeben. Leichte Ski, die den Belastungen beim Telemark-Skifahren standhalten, bleiben eine technische Herausforderung. Wir werden dies weiterhin genau beobachten.

Ein kleiner Nachteil: Die Newmark Lite hat eine Einschränkung: Die Bindungssteifigkeit lässt sich nicht einstellen. Für Telemark-Skifahrer, die ihre Ausrüstung gerne an ihr Können, ihren Fahrstil oder die Schneeverhältnisse anpassen, wäre diese Funktion ein echter Vorteil. ATK hat jedoch angedeutet, dass es zukünftig möglich sein wird, die hinteren Federn auszutauschen, um die Bindungssteifigkeit zu verändern. Dies ist eine interessante Perspektive, auch wenn die Details und die Verfügbarkeit dieser Federn noch nicht feststehen.

Jetzt kommen wir zum Wesentlichen: der Performance auf der Piste. Eine Bindung mag auf dem Papier noch so ausgeklügelt sein, aber erst auf den Skiern zeigt sich ihr wahres Können.

Wie bereits erwähnt, ist das Einstiegssystem eine der größten Stärken dieser Bindung. Wir werden alle nicht jünger, und obwohl das Low-Tech-System in puncto Gewicht und Performance fantastisch ist, braucht man manchmal doch etwas Sehvermögen und Präzision, um die Bindungen einzusetzen!

Beim Newmark Lite waren wir von der Präzision des Einstiegs begeistert. Mit verschiedenen Skischuhen und in unterschiedlichen Schneeverhältnissen erwiesen sich die Inserts als besonders effektiv. Ein echter Komfort für den täglichen Gebrauch, besonders wenn es in den Bergen schnell gehen muss oder die Bedingungen nicht optimal sind.

Das Aufstiegs-Verriegelungssystem ist einfach zu bedienen. Ziehen Sie einfach den Hebel zu sich heran, wie bei den meisten Low-Tech-Bindungen. Kein kompliziertes Setup nötig: Die Bedienung ist intuitiv und leicht zu erlernen. Ein echter Pluspunkt, wenn man ständig zwischen Aufstieg und Abfahrt wechselt.

Bei der Abfahrt verfügt die Bindung über eine Sicherheitseinstellung, mit der sich der Auslösemechanismus im Falle eines Sturzes anpassen lässt. Diese Einstellung erfolgt mittels einer Schraube zur Anpassung des Öffnungswiderstands. Eine gewichtsabhängige Einstellung scheint nicht möglich zu sein, daher muss dies in der Praxis getestet werden.

Telemark-Skifahren erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit. Hier zeigt sich wohl am deutlichsten unsere Erfahrung. Wir brauchten einige Zeit, um uns an das Fahrgefühl der Newmark Lite zu gewöhnen. Aus unserer Sicht ist die Bindung etwas zu weich und bietet zu wenig Progression. Man erreicht den Zehenstopper schnell, was die Kontrolle über den Innenski einschränkt.

Das heißt nicht, dass das System nicht funktioniert, sondern dass es einer Anpassung bedarf und seine Performance verbessert werden könnte. ATK gab an, dass später möglicherweise steifere Federn für den hinteren Bereich angeboten werden. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, könnte sie für mehr Progression und Kontrolle sorgen und das Skierlebnis angenehmer gestalten.

Eine weitere positive Überraschung bei unseren Touren: Die Newmark Lite ist sehr unempfindlich gegenüber Schneeansammlungen unter der Bindung. Dies mag wie ein kleines Detail erscheinen, erweist sich aber als wertvoll, wenn sich die Bedingungen ändern und Schnee in den Mechanismen oder unter den Bindungskomponenten festsetzt. Allerdings hatten wir zweimal ein kleines Problem mit den Schrauben unter der Bindung. ATK teilte uns mit, dass dieses Problem beim neuen Modell behoben sein wird.

Zu den technischen Daten: Die Newmark Lite wiegt laut Herstellerangaben 680 Gramm und zählt damit zu den leichten Telemark-Tourenbindungen. Mit einem Preis von 599 € liegt sie im Mittelfeld dieser Bindungsart. Sie ist daher eine Überlegung wert für Skitourengeher.

Die Option, ein Alpin-Fersenstück hinzuzufügen, macht die Bindung deutlich vielseitiger und spricht ein breiteres Spektrum an Skifahrern an. Der Preis dafür beträgt 699 €.

Unser Testurteil: Nach mehreren Touren hinterließ die Newmark Lite einen interessanten und gemischten Eindruck. Einerseits lobten wir die Verarbeitungsqualität, die Präzision des Einstiegsmechanismus, die einfache Handhabung und die Möglichkeit, das Fersenstück zur Gewichtsreduzierung zu entfernen. Dies sind überzeugende Argumente für Telemark-Touren. Andererseits erforderte das Abfahrtsgefühl etwas Eingewöhnung, da Flexibilität und Progressivität nicht ganz unseren aktuellen Vorlieben entsprachen. Die angekündigten Weiterentwicklungen der Federn sind gespannt.

Die Frage der Haltbarkeit von Leichtbauskiern bleibt weiterhin wichtig, wie wir in unserem Test feststellen konnten.

Die Newmark Lite ist daher eine innovative Bindung mit starken Verkaufsargumenten, deren Potenzial jedoch unter realen Bedingungen und im Langzeittest noch weiter erforscht werden muss.

Möchten Sie Cookies?
Diese Seite verwendet Cookies, um das beste Surferlebnis zu gewährleisten.
Zustimmen
Ablehnen